Design 2.0

User Generated Design

Anfang November ist laut Pressemitteilung ein “neuartiger” Online-Markplatz für kreative Designleistungen unter www.designenlassen.de entstanden. Der Marktplatz soll die Interessen von Auftraggebern und Designern zusammenführen. Es geht darum einen Designwettbewerb z.B. für die Gestaltung von Logos oder Webseiten durchzuführen.

Der Auftraggeber gibt ein Briefing inkl. festen Preis ab und die liebe Designercommunity startet das kunterbunte designen – ein interdisziplinärer Gedankenaustausch findet über Feedbackfunktionen über den gesamten Designprozess mit dem Kunden statt. Am Ende kann der Auftraggeber – natürlich nach mehreren Iterationen – sein Design selbst auswählen und einen Designer als Gewinner küren. Laut Anbieter hat dieses Konzept voll eingeschlagen – innerhalb der ersten Tage wurden 7 Designwettbewerbe mit über 400 (!!!) Designvorschlägen hervorgebracht.

Preise die die Welt noch nicht gesehen hat

Die Anwendung unterstützt den Auftraggeber mit Preisempfehlungen, die es in sich haben – z. B. Logodesign-Richtwert (Minimum) – € 100 / Logodesign-Richtwert (Mittelwert) – € 250. Hier gibts weitere Preisempfehlungen. Bei allem Verständnis sollte man diese Richtlinien schleunigst auf branchenübliche Preise anheben – ansonsten wird die gesamte Designergilde den Aufstand proben…ganz abgesehen davon, dass 9 von 10 Designern keine Aufwandsentschädigung für ihre Leistungen erhalten – schliesslich gibts nur einen Gewinner.

Problemstellung

Einen komplexen Designprozess wie z.B. für die Erstellung eines Logos/einer CI für den minimalen Richtwert von 100€ anzupreisen sollte schnell überdacht werden. Ansonsten hat man innerhalb kürzester Zeit einen Tummelplatz für mindere Designqualität erschaffen, wo Logos innerhalb von 5 Minuten erstellt werden.

Einfach die Keywordsuche z.B. bei iStockphoto.com angeworfen, eine nette Illustration heruntergeladen (für die Bildmarke) ein bisschen Textmarke hinzugefügt (Fontauswahl über z.B. dafont.com) und fertig ist das Logo. Das Ergebnis wird austauschbar sein. In diesen Preissegmenten kann kein kreativer Designprozess stattgefunden haben. Solch ein Logo birgt die Gefahr in sich, auf der Welt schon das ein oder andere Mal vorhanden zu sein.

Ihr glaubt mir nicht, dann schaut bei den Referenzen vorbei, dann versteht ihr, was ich meine.

Hier gibt es eine Menge Verbesserungspotential – gerade den Auftraggeber heisst es besser auf Gefahren oder auch Mehrkosten hinzuweisen. Allein ein guter Font für die Textmarke kann heutzutage gut und gern über 500€ kosten – mal davon abgesehen, dass der Auftraggeber höchstwahrscheinlich ein Lizenzpaket benötigt (für diverse Arbeitsplätze). Zusätzlich Rechte- und Markenprobleme bei eventuellen Designkopien können zudem für Mehrkosten sorgen – sollte dieser Fall eintreten, muss letztendlich der Designer für Plagiate haften. Natürlich wird auf dieser Plattform nicht kopiert, gewisse Ähnlichkeiten zu bereits vorhandenen Logoentwürfen sind jedoch nicht auszuschliessen.

Qualität fordert ihren Preis?!?

Dies sollte dem Auftraggeber bewusst gemacht werden. Um die Qualität des Geschäftsmodells zu erhöhen, wäre z.B. eine Zertifizierung der Designer ein gutes Vorgehen. Wenn ein Auftraggeber eine professionelle Designdienstleistung erstellt bekommen möchte, so sollte diese Dienstleistung von ausgebildeten Personen erstellt werden – eine Vorab-Prüfung bzw. Verifizierung von Zeugnissen oder Diplomen wären hierbei zu empfehlen..

Eine Kategorisierung von Designern in Gruppen wäre zudem optimal – Grafik-Designer übernehmen z. B. die Parts Corporate Identity (Logo, Geschäftsausstattung) und Interactive Designer z. B. den Online-Part (Websites, Banner etc.). Im Grunde hat jeder Designer seine Spezialdisziplinen in der er sich besonders heimisch fühlt – die Qualität der Ergebnisse würde dementsprechend steigen, die Quantität sinken.

Die vorgegebenen Richtwerte zerstören meiner Meinung die Preise & Qualität von hochwertigen Designdienstleistungen – dies wäre weder für das Geschäftsmodell optimal noch für die Qualität der Entwürfe.

Im Vordergrund sollte bei jeder Web 2.0 – B2C-Plattform die Qualität der Inhalte sein und nicht die kurzfristigen Umsatzinteressen. Langfristig wird sich solch ein Geschäftsmodell nur durch qualitativ hochwertige Designdienstleistungen – die einen fairen Preis haben – einen Namen machen.

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